Die Anfänge

Im Schuljahr 1997/98 wurde erstmals das Fachgebiet der Astronomie als unverbindliche Übung im Sportgymnasium Maria Enzersdorf angeboten. Das Fehlen eines Beobachtungsinstruments stellte sich aber für den Fortbestand der Übung als zu großes Handikap heraus. Aus diesem Grund fand in den folgenden zwei Schuljahren keine unverbindliche Übung Astronomie statt.

Meade-LX-200Im Schuljahr 2000/01 war die Zeit reif für Neuerungen und es gelang, ein Spiegelteleskop der Bauart Schmidt-Cassegrain mit 8 Zoll Öffnung und 2 m Brennweite anzuschaffen. Zusätzlich wurde eine für Teleskope dieser Größenordnung angemessene Gabelmontierung mit zwei computergesteuerten Schrittmotoren zwecks Nachführung erworben. Nachdem zu dieser Zeit auch schon der Umzug in das neue Schulgebäude vollzogen war, stellte sich bald eine der beiden Südterrasse im 2. Obergeschoss als geeignetster Beobachtungsplatz heraus. Jedoch mussten wir schon früh erkennen, dass das neue Instrument äußerst empfindlich gegenüber Erschütterung war, sodass eine Entkopplung des Statives vom Fußboden nicht nur zweckmäßig, sondern auch notwendig wurde. Zwar gelang es rasch eine erste, kostengünstige Lösung zu erwirken, doch so richtig glücklich wurden die Astronomen damit nicht. Von Schwingungsentkopplung konnte keine Rede sein, das Teleskop lieferte meistens (vor allem wenn die Beobachtungsgruppe sich nicht absolut ruhig verhielt) verwackelte und somit unscharfe Bilder.

In den darauffolgenden sechs Schuljahren (2000/01 – 2005/06) etablierte sich das Freifach Astronomie bei den Schülerinnen und Schülern aller Altersstufen. Unzählige Winter setzten der Holzbodenkonstruktion mehr und mehr zu, sodass im letzten Unterrichtsjahr eine Entscheidung bezüglich des Fortbestandes der Beobachtungsplattform gefällt werden musste.

Terrasse-1

Die erste Beobachtungsplattform

Umbau und Modernisierung

saeule

Im Mai 2006 fiel schließlich der Startschuss für den Bau einer neuen Schulsternwarte. Die Monate Mai – Juli 2006 dienten vor allem der Planungsphase. In dieser Zeit wurden unzählige Besprechungen mit insgesamt neun verschiedenen Professionistenfirmen abgehalten, technische Lösungen gesucht, Pläne in digitaler Form angefertigt und eine Vielzahl an Anboten eingeholt. Im Zuge des Sternwartenbaus sollte eine fixe, schwingungsentkoppelte Säule für die Teleskopmontierung errichtet werden. Diese Entkopplung sollte bei zukünftigen Beobachtungen mit dem Fernrohr ein ruhiges und somit scharfes Bild eines astronomischen Objekts gewährleisten. Bei dieser Gelegenheit wurde auch eine komplette Lösung für sämtliche elektrische Steuer, – Daten und Versorgungsleitungen erarbeitet.

Im Juli 2006 war die Planungsphase abgeschlossen und sämtliche Sonderfertigungen wurden in Auftrag gegeben.  Die Lieferung und Montage der speziell angefertigten Stahlsäule, die einen Durchmesser von 30 cm aufwies und als Grundkonstruktion für die Teleskopmontierung konzipiert war, erfolgte schließlich am 31. August 2006. Auch die Herstellung der Feuchtigkeitssolierung konnte am selben Tag durchgeführt werden.

diamantkernbohrungFür die Verlegung der Steuer- und Datenleitungen musste ein 82 mm großes Bohrloch durch die 35 cm dicke Stahlbetonaußenwand des Schulgebäudes hergestellt werden. Mit moderner Kernbohrtechnik war dieses Vorhaben bald geschafft, den Elektrikerarbeiten stand somit nichts mehr im Wege. Ende Oktober waren auch diese Arbeiten abgeschlossen und die Sternwarte verfügte nun über eine eigene Stromversorgung sowie eine Anbindung an das Gigabit-Datennetzwerk der Schule und war außerdem mit vielen verschiedenen Datenleitungen ausgestattet. Da der Sternwartenbau großteils im Freien stattfanden, stellte das extrem milde Herbstwetter ein zusätzliches Glück dar und die Arbeiten konnten ohne nennenswerte Verzögerungen bis Anfang November 2006 abgeschlossen werden.

Die folgenden Fotos sind während der Bauphase im Jahr 2006 entstanden:

Säule mit E-Box-3 Herstellung der Säulenverkabelung Säule mit Refraktor-3bGroßer Refraktor im Probebetrieb
Fußboden fertig verlegt-gefiltert

Sternwarte mit fertig verlegtem Boden

Impressionen

Das überwältigende Panorma der Schulsternwarte:

2015 SRG-Sternwarte-Panorama

Von der nach Süden ausgerichteten Sternwarte hat man einen traumhaften Blick über die unmittelbar an das Schulgelände angrenzenden Weingärten, dahinter erhebt sich majestätisch die aus dem 12. Jahrhundert stammende Burg Liechtenstein. Lässt man den Blick nach Südosten schweifen, so erkennt man die Ruine Rauchkogel, ein um 1820 künstlich angelegtes Denkmal. Bauherr war Fürst Johann I. von und zu Liechtenstein. Südwestlich der Burg Liechtenstein erblickt man in der Ferne den 675 m hohen Anninger mit seiner markanten Sendeanlage. Er gehört zum Naturpark Föhrenberge und ist mehr oder weniger der Hausberg von Mödling.

2015 SRG-Sternwarte-03_redWeiter westlich, aber näher zur Schule gelegen, findet man ein weiteres sehenswertes Bauwerk, den Husarentempel. Er wurde auf dem Kleinen Anninger in 496m Seehöhe errichtet und ist so wie die Burg Liechtenstein schon von großer Entfernung aus dem Wiener Becken zu erkennen. Umgekehrt hat man bei klarem Wetter vom Südbalkon einen nicht endenwollenden Blick nach Osten. Man erkennt mit freiem Auge die Bauwerke der Raffinerie Schwechat sowie die Gebäude und den Tower des Flughafens. Dahinter lässt sich einwandfrei die Hainburger Pforte, das Durchbruchstal der Donau zwischen den Ausläufern der Ostalpen und den Kleinen Karpaten in der Slowakei ausmachen.

In der Nacht bietet sich den jungen Astronomen ein toller Blick auf den Sternenhimmel über Maria Enzersdorf. Da Wien von der Sternwarte aus gesehen im Nordosten liegt, die Hauptbeobachtungsrichtung aber der Süden ist, hält sich die durch die Großstadt verursachte Lichtverschmutzung (darunter versteht man die Aufhellung des Nachthimmels durch künstliche, irdische Lichtquellen) glücklicherweise in Grenzen. Vor allem in südwestlicher Richtung erblicken wir einen recht dunklen Nachthimmel.

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