Am 19. November 2019 besichtigte das Wahlpflichtfach Geschichte der 8. Klasse in Begleitung von Prof. Pintz einen der bekanntesten Gemeindebauten Wiens, den Karl Marx-Hof, den längsten zusammenhängenden Wohnbau der Welt.

Zuvor hatten wir uns im Rahmen des Unterrichts mit der Entwicklung des sozialen Wohnbaus im Roten Wien beschäftigt. Unsere Exkursion begann vor einem der vielen Eingänge der 1926 errichteten drittgrößten Wohnhausanlage Wiens. Damals begann der Bau mit dem Bestreben der 1919 bis 1934 Jahren in Wien regierenden Sozialdemokraten, der allgemeinen Wohnungsnot nach dem Ersten Weltkrieg ein Ende zu setzten. Dafür wurden ursprünglich 1.382 Wohnungen für 5.000 Bewohner gebaut, welche in den vergangenen Jahren vergrößert und erneuert wurden. Vor Beginn des kommunalen Wohnbaus hatten die durchschnittlichen Arbeiterwohnungen eine Fläche von 20 Quadratmetern, 95 % der Wohnungen hatten kein WC und keine Wasserleitungen. Aufgrund der kleinen Wohnungen hatten über 50 % der Arbeiterfamilien kein eigenes Bett. Unser Tourguide erzählte uns von den Schlafgängern. Das waren Menschen die nachts arbeiteten und sich keine Wohnung leisten konnten. Sie haben Betten über den Tag gemietet, um dort zu schlafen, während der eigentliche Besitzer arbeitete. Teilweise gab es in den Wohnungen keine Fenster oder eine direkte Belüftung. Dem entsprechend schlecht waren die Hygienebedingungen. Der Karl Marx-Hof wurde nach dem Beispiel eines monumentalen „Superblocks“ errichtet, mit zahlreichen Gemeindeeinrichtungen, wie zwei Kindergärten, zwei Zentralwäschereien, zwei Bädern, einer Apotheke und noch mehr. Zum Erscheinungsbild des schmalen Sozialbaus gehören die geschlossenen Wohnhofanlagen mit schönen Gartenhöfen. Während des Bürgerkriegs im Februar 1934 war der Gemeindebau ein Zentrum des Wiederstandes gegen den Faschismus. Wir haben uns den Torbogen angeschaut der von den ersten Artilleriegeschossen beim Versuch getroffen wurde, die Anlage zu besetzen. Zum Abschluss der Exkursion haben wir die Ausstellung zu den Themen: Rotes Wien, Kommunaler Wohnbau und Folgeeinrichtungen, Bildungs- und Kulturarbeit sowie Fest- und Feierkultur der Wiener Arbeiterbewegung besichtigt. Das Besondere dabei war, dass sich die Ausstellung in einem der Waschsalons befindet. Es war sehr interessant, vor allem aber konnte man anhand von Markierungen am Boden sehen, wie groß die Wohnungen in den frühen Gemeindebauten wirklich waren, und sich kurz in die Lage der Arbeiter dieser Zeit versetzten. Das hat jedem von uns bewusst gemacht, wie glücklich wir uns mit den heutigen Lebensstandards schätzen können.

 

Autoren: Marie Blattl (8C) & O. P.